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Italienische Biene (Apis mellifera ligustica)

16 Dec 2018


 

 



Das Thema "Ligustica Vermehrung" bleibt wohl weiterhin eher experimentell. Denn was in Deutschland und Italien teilweise als "Ligustica" verkauft wird, ist schon recht bemerkenswert, manchmal auch unterhaltsam bis kriminell.

Ich hatte schon Ligustica F1 von einem angeblichen Züchter, die so aggressiv waren, dass für jeden Aussenstehenden am Bienenstand Lebensgefahr bestand.  Wohlbemerkt; verkauft von einer deutschen Imkerei. Woher auch immer diese Biene kam, sie verdiente den Namen Ligustica nicht ansatzweise und war eine offensichtlich höchst aggressive Mischung...

Die Gier nach Geld treibt viele Bienenimporteure scheinbar in völlig charakterlose und unverantwortliche Geschäftsgebaren. Wird da Bienenmasse und Königinnen in (Nord)Afrika gekauft? Sind die meisten Königinnen in Wirklichkeit südamerikanischer Herkunft?

Was viele Imker nicht verstehen, ist die Tatsache, dasse lange nicht mehr auf die Rassenbezeichnung an kommt, sondern auf die Linie die eine gute F1 Königin garantiert, die alle Eigenschaften besitzt, die man sich als moderner Imker mit ökologischer Ausrichtung wünscht. Genetische Vielfalt geht hier vor Inzucht, auch wenn gewisse Verbände und Vereine das noch nicht so recht verstehen, wird das die Zukunft der Honigbiene sein. Die Buckfast-Biene beruht auf dieser genetischen Vielfalt, ist deshalb auch so beliebt. 

Wir haben uns deshalb vorgenommen, das was uns an Ligustica angeboten wird über Jahre zu prüfen um herauszufinden, ob sich eine Stabilisierung der Eigenschaften und Genetik einstellt. Denn vergessen wir nicht:

Die Eigenschaften eines Bienenvolkes werden von zwei Generationen, der Königin und ihren Töchtern, den Arbeitsbienen, beeinflusst. Der Züchter Paul Jungels schreibt dazu:

„Ein Bienenvolk offenbart uns in seiner Gesamtheit ein Spiegelbild, das den Wechselwirkungen dieser Gegebenheiten entspringt. Züchten wir nun von einem besonders guten Volk Königinnen nach, so müssen wir uns bewußt sein, daß:

  1. jede Tochterkönigin natürlicherweise nur einen individuellen Vater hat,

  2. dadurch das gesamte, mit der Auswahl des Zuchtvolkes visierte Eigenschaftspotential in dieser individuellen Königin niemals voll wiedergegeben werden kann,

  3. nur über den Weg einer (Vielfach–) Paarung mit entsprechend vielseitigem Drohnenmaterial erneut ein Ausgleich geschaffen werden kann, sowie es die Natur in jedem Fall vorsieht.

Wer sich dieses Schema klar vor Augen führt versteht auf Anhieb wieso sämtliche Zuchtbemühungen sofern sie auf bloße Erhaltung, vor allem aber auf Vereinheitlichung von Zuchtlinien durch Reinzucht ausgerichtet sind, von vorne herein zum Scheitern verurteilt sind. Beispiele, wo innerhalb kürzester Zeit wertvolle Zuchtstämme durch übertriebene Reinzuchtbestrebungen zugrunde gerichtet wurden, gab es in der Vergangenheit genügend", so Paul Jungels.


Mit der Kreuzung der Ligustica und der einheimischen engl. Biene hat Bruder Adam 1917 einst sein Werk an der späteren "Buckfast-Biene" begonnen. Schon allein deshalb interessiert mich diese Biene ganz besonders, die ich nun auch ausführlich kennenlernen möchte. Doch klar ist auch: Bruder Adam hatte ganz andere Ausgangslagen was die Genetik der Ligustica Biene an geht als wir heute.

Züchter dieser wunderbaren Biene gibt es in Deutschland m.W. nicht. Das hat mich schon immer etwas verwundert, schwören doch die Imker in Dänemark und Schweden auf diese Biene und ihre ertragreichen Honigernten. In Deutschland genießt sie den Ruf etwas anstrengend und ruppig zu sein, ist also nicht so beliebt. 

Zusammenfassung bis zum 13-07.2018:
Bislang habe ich noch nicht eine einzige "Ligustica-Biene" gesehen die den Namen wirklich verdienen würde. Dafür aber viel über Scharlatane in der Imkerschaft gelernt.

Die "Ligustica" kam per Zufall in unsere Imkerei und entwickelte sich prächtig. Nicht nur das die Tiere schön anzusehen sind in ihrer hellen Farbgebung, sie sind auch fleißig und sehr brutstark, haben sich im Winter als robust bewiesen und man wird abwarten müssen, wie die Ligustica mit der kommenden Massentracht (Raps) an ihrem Bienenstand umgeht. Manche Völkchen hatten keinerlei Abwehrverhalten und wurden deshalb ausgeräubert. Andere entwickelten sich genau gegenteilig und gelten als "Stecher". Letztlich blieb bislang eine "Ligustica" übrig, die ihre äußerlichen Erscheinungsmerkmale zu jeder F1 Generation verändert. Man kann also nicht wirklich von einer Ligustica sprechen. Es handelt sich um eine wilde Mischung die zufällig sehr gute F1 Königinnen her gibt. 

Um die Ligustica nun auf einer optimalen Grundlage zu vermehren, wurde 2017 Zuchtmaterial im Ausland als Zuchtmutter gesucht und getestet. Erste F1 Königinnen waren also in 2017 schon vorhanden und im September auch schon vorgeprüft und wurden allesamt abgedrückt, da völlig unzureichend und viel zu stechfreudig. Auch diese Lieferung stellte ich als "Mogelpackung" heraus, schon nach einer  Generation.
Wirkliche Ligustica Zuchtmütterwaren also nicht zu bekommen.

Fazit / Update 12/2018:Die Ligustica-Biene ist für uns aktuell kein Thema mehr, da sich alle Zuchtmütter als nicht tauglich für unsere Klimabedingungen im Rheinland und unsere Betriebsweise erwiesen haben.

Die Biene ist eigentlich (was man so "Ligustica" nennt) auf der italienischen Halbinsel beheimatet, besonders in Süditalien wird sie sehr geschätzt. Ihre Farbe tendiert immer zu Gelb mit einer Variation zwischen zitronengelb und lederbraun. Man sagt ihr besonderen Honigsammelfleiß und Friedfertigkeit nach, aber auch eine starke Krankheitsresistenz. das ist allerdings so zu bewerten wie die Aussage; alle deutschen sind fleißig. Märchen Legenden, Geschichten, die Italiener mögen so etwas scheinbar sehr.

Die Ligustica Biene gilt als beste Sammlerin von Blütenhonigen, weshalb sie gerne bei Massentrachten wie Raps oder der Obstbestäubung eingesetzt wird, jedoch nicht in Deutschland.

Selbst in Skandinavien und Alaska wird erfolgreich mit ihr geimkert, in Dänemark gibt es einen höchst engagierten Zuchtverein von dem wir nun auch Königinne beziehen. In Deutschland konnte sich die Ligustica-Biene bislang nie richtig durchsetzen, weil das was hier als "Ligustica" angeboten wird, für uns Imker absolut nicht handhabbar ist. Es sei denn, man steht auf super stechfreudige Völker. 

Häufig sagt man der Buckfast-Biene nach, sie habe ihre helle Zeichnung von der Ligustica Biene durch die Zucht erhalten. Auch das scheint angesichts der Tatsache, dass die Buckfast-Ringe oftmals orange sind, sehr fraglich. 


 

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