Die Sache mit der Beschneidung der Königin...

Bruder Adam war sich seiner Sache sicher, die Königinnen ließ er alle beschneiden, auf einer Seite wurde der Flügel halbiert. Schwärme waren bei ihm unbeliebt, das machte unnötig Arbeit und kostete wertvollen Honigertrag. In der damaligen Zeit war das ein ernstes Thema, ganz anders als wir es heute diskutieren. Wir haben heute nicht den Druck den die Mönche hatten, können auch mit weniger Ertrag ganz gut leben. Für das Klosterleben bedeutet der Misserfolg eines Bienenjahres eine Katastrophe. Zu dem musste sich Bruder Adam stets hinsichtlich der Wirtschaftlichkeit seiner Klosterimkerei vor seinen Brüdern der Klostergemeinschaft Buckfast rechtfertigen. Alle Imker wissen: so ein Bienenjahr kann schnell zu einem finanziellen Desaster werden. Angesichts dieser Ausgangslage war Bruder Adam nicht bereit lange über nötige Prozessoptimierungen zu diskutieren. Es wurde gemacht was nötig war um die Arbeitsprozesse schnell und wirtschaftlich zu erledigen. Dies kann man immer wieder anhand seiner Bemerkungen in seinem Buch ersehen. Sparsamkeit und wirtschaftliches Handeln waren oberste Gebote in der Klosterimkerei von Buckfast. Finanzielle Abenteuer konnten sich die Mönche nicht leisten. Ein gutes Beispiel für dieses wirtschaftlich orientiertes Imkern ist die Erfindung des „Adam-Fütterers“. Einer Konstruktion, die hilft, die Völker zügig und kontrolliert füttern zu können ohne die Bienen bei der Arbeit zu stören. Das beschneiden der Königinnen ist auch heute noch in vielen Imkereien normale Praxis. Dadurch vermeidet man den kompletten Abgang eines Schwarmes. Ist das Volk in Schwarmstimmung und die ältere Königin zieht mit der Hälfte des Bienenvolkes aus, kommt sie nicht weit und landet auf dem Boden vor der Beute. Der Schwarm erkennt das Desaster und fliegt zurück in die Beute. Dort organisiert de neue, junge Königin dann innerhalb von 10-14 Tagen den Bienenstaat komplett neu und beginnt nach dem Begattungsflug mit der Eilage. Die Imker streiten sich darüber ob die Bienenköniginnen den Beschnitt der Flügel als Schmerz empfinden. Ebenso heftig wird diskutiert, ob die Bienen die Königin mit beschnittenem Flügen nicht als Minderwertige Regentin betrachten. Ich konnte mir noch kein abschließendes Urteil bilden dazu, habe aber auch noch nicht zur schere gegriffen. Mir schien das Beschneidungs-Ritual etwas zu gewagt. Doch Bruder Adam merkte in seinem Buch „Meine Betriebsweise“ an, dass er bei beschnittenen Königinnen noch nie etwas nachteiliges an Verhalte oder Leistung feststellen konnte. Der Vorteil einer Beschneidung liegt klar auf der Hand: der Honigertrag ist höher da mehr Bienen im Stock verbleiben und der abgängige Schwarm zurückkehrt. Die alte Königin kann man mit etwas Glück fangen und in ein anderes Volk einsetzen. Will man konsequent nach Bruder Adam imkern, muss man auch die Königinnen beschneiden. Alternativ ist man gut beraten, wenn man Königinnen hat, die nicht zum Schwärmen neigen. Bei neuen Anpaarungen weiß man das allerdings immer erst hinterher, also am Ende des Bienenjahres. Interessant kann diese Beschneidung an orten sein, an denen ein Schwarm unerwünscht ist oder negative Folgen haben kann. Wenn das Beschneiden der Königin zu einem Problem führen kann, wäre dann nicht auch das Kennzeichnen der Königin ein hohes Risiko?

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