Der Trend der wesensgerechten Bienenhaltung nimmt ungeahnte Ausmaße an

Citybox von Holtermann statt Bienenbox? Eines ist erfreulich: immer mehr (junge) Menschen geben den Honigbienen einen Raum, um sich stressfrei entfalten zu können. Die Bienenboxen spielen dabei eine große Rolle, weil es immer mehr junge Stadtimker gibt, denen der Honigertrag nicht das Wichtigste bei der Bienenhaltung ist. Das „System Bienenbox“ ist eine Gemeinschaft engagierter Menschen, denen das (echte) Wohlergehen der Honigbienen wichtig ist, jenseits der Ertragsleistung und der Vorgaben der Züchter orientierten Imkervereine. Siehe www.Bienenbox.de Der Trend erreicht aber auch längst die Hersteller von Imkereibedarf, so hat die Firma Holtermann z.B. jetzt eine „Citybox“ auf den Markt gebracht, die der Bienenbox sehr ähnelt und scheinbar dem gleichen Zweck dient, nämlich dem Einsatz als Bienenwohnung in der Stadt, auf Dächern und Balkonen. Nicht nur der Preis an dieser Citybox ist attraktiv, geradezu verführerisch, sondern auch die Verarbeitung und die Vermeidung von Schwächen der Bienenbox macht das Angebot interessant. Der Citybox fehlen zwar noch die Schaufenster und Gestelle, Halterungen für Balkone und vor allem die richtigen Rähmchen, aber schon jetzt hat die Citybox auch Vorteile gegenüber der Bienenbox. Das Blechdach scheint mir deutlich besser zu sein als die Lösung bei der Bienenbox, die auf Teerpappe basiert. Die Möglichkeit zwei Völker gleichzeitig in einer Beute groß zu ziehen ist ebenso attraktiv, denn die zwei Fluglöcher und eine mögliche Raumtrennung mittels Schied machen es möglich. Zu dem ist der Versand besser, denn auf die Bienenbox wartet man oftmals Monate, Holtermann liefert in wenigen Tagen, von einigen Ausnahmen, die aber die Firma DHL zu verantworten hat, einmal abgesehen. Vielleicht sollte der Stadtbienen e.V. der Firma Holtermann die Herstellung und den Vertrieb der Bienenbox überlassen und die Firma Holtermann die Weiterbildungen des Stadtbienen e.V. promoten. Das wäre m.E. ein Gewinn für beide Seiten. Der „virtuelle Imkerverein“ als Trend - Der Zeitgeist fordert die Imkervereine heraus Doch alles das hat wenig Sinn, wenn das Wissen um eine wesensgerechte Bienenhaltung fehlt. Da ist der Stadtbienen e.V. eine gute Adresse für junge ImkerInnen und ermöglicht es jedem Einsteiger sich auf angenehme und leicht erlernbare Weise „Bienenwissen“ anzueignen. „Der virtuelle Imkerverein“, wie sich die Stadtbienen e.V. gerne selbst nennt, hat jede Menge Zulauf und das ist auch gut so. Eine Bienenbox muss man dazu übrigens nicht unbedingt besitzen. So ganz „virtuell“ ist das Engagement nicht wirklich, denn gerade die „Bienenboxler“ haben in vielen großen Städten sehr viel Zulauf bei ihren „Einsteigerseminaren“, die meist von erfahrenen Imkern geleitet werden. Ein solches Engagement für die Nachwuchsförderung kann man bei den meisten alt eingesessenen Imkervereinen lange suchen! Zu dem möchten viele Menschen nicht auch direkt Mitglied in einem Verein werden. Der Zeitgeist fordert die Imkervereine heraus, so scheint es. Vielleicht haben sie aber auch keine Antworten auf die vielen Fragen im Zusammenhang mit einer wesensgerechten Bienenhaltung.

Der bei den Vereinen vielfach noch nicht angekommene Trend -hin zum pfleglichen Umgang mit den Tieren-ist nämlich nicht mehr zu stoppen. Der Kölner Imkerverein ist da schon etwas besser aufgestellt als viele andere Vereine (worüber ich mich sehr freue hier schlägt bei den Akteuren das Herz auf dem richtigem Fleck wie mir scheint), die über Initiativen wie die des Stadtbienen e.V. nur die Nase rümpfen (selbst schon erlebt). Die alten Vereinsstrukturen spielen für die kommenden Generation der Imker keine Rolle mehr. Wozu muss ich in einem Imkerverein Mitglied sein, wenn ich Imker werden möchte ohne auf Honigertrag aus zu sein? Das Grundwissen kann ich bequem bei youtube erlernen und wenn ich Fragen habe, wende ich mich an den Imkerpaten oder den Ratgeber bei Bienenbox.de. Youtube als Unterrichtsmaterial "BeeTV" ist der youtube-Kanal eines junger Imkers vom Niederrhein, er hat seit seinem Einstieg in die Imkerei Filme über seinen Werdegang als Imker produziert und online gestellt. link: https://www.youtube.com/channel/UCa1-rc3oS2Kr8ArCD2qSx4A Höhen und Tiefen sind gleichermaßen authentisch präsent, seine Fans lieben ihn dafür. Gelernt hat er sein Handwerk bei einem Züchter, Johann van den Bongard, der ebenfalls am Niederrhein ansässig ist, siehe www.bienenland.de und auch ein aktiver Lehrer und Bestäubungsexperte ist, siehe: www.bestaeubungsimker-deutschland.de Die Beiträge von "BeeTV" wurden seit 2013 über 1,15 Mio mal aufgerufen! Der Kanal hat über 6.500 Abonnenten! Das zeigt, wie stark das Interesse der JungimkerInnen ist sich jenseits der Vereine mit den fachlichen Themen der Imkerei auseinander zu setzen. An die wesensgerechte Bienenhaltung hat sich der youtuber noch nicht gewagt, vielleicht kommt das ja noch? Kürzlich hat er allerdings mit einem Experiment begonnen: der Balkonimkerei und folgt damit dem aktuellen Trend. Auch er ist bei youtube: Dr. Gerhard Liebig, ein bekannter Bienenwissenschaftler, Ende 2011 ging Dr. Gerhard Liebig in den Ruhestand. Er war 37 Jahre lang an der Landesanstalt für Bienenkunde in Stuttgart-Hohenheim angestellt und hat dort in Langzeitprojekten die Populationsdynamik von bienenwirtschaftlich wichtigen Honigtauerzeugern auf Fichte und Tanne sowie die Entwicklung von Bienenvölkern und ihres Varroabefalls untersucht. Siehe: www.Immelieb.de Sein youtube Kanal hat bereits über 600.000 Aufrufe und über 3.000 Abonnenten. Seine ruhige art die Zusammenhänge anschaulich zu erklären ist geradezu legendär und erinnert an den bekannte Tierfilmer und Zoologen Bernhard Grzimek, der einst das junge Frnsehpublikum in seinen Bann zog. Siehe: https://de.wikipedia.org/wiki/Bernhard_Grzimek Sind die Lernmethoden der Vereine und Verbände noch zeitgemäß? Diese Frage erhält plötzlich eine neue Dimension in Deutschland und wenn der Deutsche Imkerbund und die meisten Imkervereine weiter vor sich hin dösen, werden sie diesen Trend m.E. schlicht verpennen und am Ende keine nennenswerte Rolle mehr spielen, weil die Mehrheit der Imker in Deutschland keinen Wert auf eine Vereinsmitgliedschaft legt. Fest steht; die konventionelle und kommerzielle Imkerei hat,

so wie sie bislang propagiert wurde, in weiten Teilen ausgedient. Imker ist heutzutage nicht gleich Imker. Der neue Imker ist gut informiert und an Vereinen wenig interessiert Die eigentlichen Themen die die Menschen im Zusammenhang mit der Bienenhaltung interessieren, scheinen sich auch inhaltlich stark zu ändern. Gut informierte junge Menschen halten Bienen, weil Ihnen bewusst ist, dass sie damit der Arterhaltung einen großen Gefallen tun. Der Honigertrag ist zweitrangig. Deshalb spielen auch die Leistungs-Züchter in diesem Imker-Umfeld keinerlei bedeutsame Rolle und werden eher mit Skepsis betrachtet. In herkömmlichen Imkervereinen sind sie weiterhin die „Platzhirsche“ und „Gurus“liefern sie doch die "perfekte Biene" der alle hinterherlaufen... in der Zukunft der wesensgerechten Bienenhaltung spielen sie hingegen keine Rolle mehr. Würde sich Bruder Adam im Grab umdrehen wenn er wüsste was mit seinem Vermächtnis passiert? Natürlich gibt es auch Bienenzucht, die eine gute Sache verfolgt und von der Suche nach der sicheren Arterhaltung geprägt ist. Ohne die Bienenzucht wäre der Fortbestand der Honigbiene ohnehin vermutlich gefährdet, aber nicht jede Zucht hat auch das Tierwohl zum Ziel. Die Buckfast-Biene, eine Erfindung von Bruder Adam, einem Mönch aus der Buckfast Abbey in England, ist hier das beste Beispiel, auch wenn man manchmal das Gefühl hat, auch hier soll die "eierlegende Wollmilchsau" gezüchtet werden, so kann man den Akteuren doch unterstellen dafür Sorge zu tragen, dass die Honigbiene die Stürme der Zeit überleben wird.

Hier finden sich Zuchtziele, die scheinbar auf einer vernünftigen ethischen Basis aufgebaut sind: "Zuchtziel sind Bienenvölker, die sanftmütig, leistungsstark, schwarmträge, vital und krankheitsfest sind. Diese Bienenpopulationen sollen an die jeweiligen Umweltbedingungen gut angepasst sein. Durch die Möglichkeit einer schnelleren Bearbeitung kann eine wirtschaftliche Bienenhaltung gewährleistet werden. Wichtig ist die Beachtung der besonderen natürlichen Verwandtschaftsbeziehungen der Honigbiene, bei gleichzeitiger Erhaltung der genetischen Vielfalt." Quelle: www.buckfastnrw.de Ob Bienen "schwarmträge" sein müssen sei einmal dahingestellt. Eine solche Veranlagung ist in Städten aus guten Gründen der Albtraum jedes Jungimkers, aber eigentlich ist es eine natürliche, genetische Veranlagung der Bienen sich zu teilen. Wenn sich kein Mensch traut Bienen zu halten weil sie schwärmen, hilft das der Biene wenig, denn sie ist auf den Mensch angewiesen. Hier einige Zahlen und Fakten, die uns freundlicherweise von dem Stadtbienen e.V. zur Verfügung gestellt wurden:

- Die Honigbiene ist nach Rind und Schwein das drittwichtigste Nutztier für den Menschen - In Europa sind 75 % der Kultur- und Nutzpflanzen von der Bestäubung der Bienen abhängig. 4.000 Obst- und Gemüsesorten in Europa sind von der Bestäubung von Bienen abhängig - Eine einzige Biene bestäubt bis zu 2.000 Blüten, ein ganzes Volk schafft bis zu 20 Mio. Blüten pro Tag. - Für 500g Honig fliegt ein Bienenvolk rund 60.000 km, das entspricht 1,5 mal um die Erde. - Der volkswirtschaftliche Nutzen der Bestäubung beträgt 2 Milliarden Euro in Deutschland und weltweit ca. 256 Milliarden Euro

Seit den späten 1990er-Jahren berichten Imkerinnen und Imker weltweit von einem Rückgang der Bienenpopulationen und einer ungewöhnlich hohen Sterberate ihrer Honigbienen-Völker. In den letzten 65 Jahren ist ein deutschlandweiter Rückgang der Bienenvölkerzahl um 80 % zu verzeichnen, die Sterberaten der Bienenvölker in Deutschland liegen bei bis zu 30 % pro Jahr. Gründe für das Bienensterben sind Krankheiten und Parasiten wie die Varroamilbe, aber auch Pestizidbelastung und Monokultur in der Landwirtschaft bedrohen die Bienen. Zur Situation in Deutschland… Die Zahl der Imker*innen in Deutschland steigt wieder, vor allem junge Menschen und verstärkt Frauen setzen sich für die Biene ein, (oftmals jedoch jenseits der vorhandenen Vereinsstrukturen). Statistisch gesehen konsumiert jede*r Deutsche 1 kg Honig pro Jahr 80 % des in Deutschland konsumierten Honigs wird aus Südamerika importiert Zahlreiche Städte küren sich selbst zur bienenfreundlichen Stadt und fördern die Verbreitung nektarreicher Pflanzen Was wir in unsrer Imkerei tun können Die Bienenkrankheiten machen eine völlig stressfreie Bienenhaltung leider unmöglich. Auch wir können unsere Tiere nicht vor dem Druck und Stress, der durch diese Erkrankungen entsteht, schützen. Was wir aber tun können ist, den wesensgerechten Umgang mit den Tieren zu erlernen und weiter zu kultivieren, unbequeme Fragen zu stellen und nicht jeden Trend der viel Geld verspricht mitzumachen, über Gottes Schöpfung nachzudenken und Gottes Gebote ernst zu nehmen. Ein wenig mehr Respekt vor der Schöpfung zu haben schadet nicht, auch wenn man nicht religiös ist. Als Katholik darf man auch radikal sein, wenn das nämlich bedeutet die Schöpfung zu bewahren, ist das sogar eine Pflicht. Übrigens gilt das für Christen und Muslime gleichermaßen, denn in diesem Punkt sind sich die Lehren beider Religionen einig. Erst die Biene, dann der Honig. Das ist mein/unser Motto als Imker. Stefan Weirich

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